Montag, 8. März 2010

Das Bild ist alles

Das wird leider viel zu oft vergessen. Früher, als es nur Film gab, waren die Bilder zunächst latent und wurden erst durch die Entwicklung in die physische Welt geholt. Welche Schönheit von einem Mittel- oder Großformatdia ausgeht, wenn man es auf einen Leuchtkasten legt, ist heute fast vergessen. Bei Negativen musste man noch durch Umkopieren und Vergrößern dafür Sorge tragen, dass die besten von Ihnen tatsächlich physisch erfahrbar wurden, aber genau das war ihr Zweck. Dafür wurden sie aufgenommen.

Auch in der digitalen Fotografie ist die eigentliche Bildaufnahme ein analoger Prozess, denn digitale Fotos entstehen letztendlich durch Quantisierung als virtuelle Abbilder unserer Umgebung. Doch leider werden digitale Bilder immer seltener aus der Virtualität heraus in unsere physische Welt geholt, sie schlummern als Bits & Bytes auf Festplatten oder anderen Datenträgern. Manche von Ihnen schaffen den Sprung in einen digitalen Bilderrahmen oder ins Internet. Wir können sie auf einem Monitor betrachten, aber anfassen können wir sie nicht. Sie sind virtuell. Nur wenige schaffen es auch auf Papier. Nun möchte ich die Vorteile digitaler Bildproduktion und -Nutzung keinesfalls in Abrede stellen. Dennoch wird durch die digitale "Bildbehandlung" oft das wichtigste vergessen: das Bild selbst.

Was treibt uns Menschen seit Urzeiten dazu, unsere Umwelt im Bild festzuhalten? Angefangen hat alles mit Höhlenmalerei: die Bilder waren immer da. Wenn man sie anschauen wollte, musste man nur zu ihnen gehen. Heute können wir in Museen gehen und die Arbeiten von Leonardo da Vinci, Caravaggio oder van Gogh betrachten. Und natürlich kann man entgegen halten, dass man heute nur den Computer anschalten muss, um ein Bild sehen zu können. Aber erst dadurch, dass Bilder physisch den Raum mit uns teilen, werden sie tatsächlich real und wirklich erfahrbar. Konsequenterweise sollten alle Fotos, die uns wirklich wichtig sind, auf einen physischen Träger übertragen werden. Damit sie auch haptisch erfahrbar werden. Wenn nur diese schönen Papiere nicht so teuer wären…



Der neue Fotostand im Kölner Zoo.
Hier kann man seine Bilder kaufen, wenn man sich
am Eingang von den netten Damen hat ablichten
lassen.

2 Kommentare:

Hannes K hat gesagt…

Hallo,

der Artikel ist gut, beschränkt sich jedoch größtenteils mit dem Fehlen des analogen Entwicklungsprozesses. Der Hauptkern, die Überschrift hat mich neugierig gemacht, wird nur kurz angesprochen. Dennoch finde ich ihn interessant, sonst würde ich nicht kommentieren.

Ich sehe es genauso: seit der Digitalfotografie ist die Entwicklung auf Papier stark zurückgegangen. Dies liegt aber weder am Preis einer Ausbelichtung, wohleher an der immensen Masse welche mit wenigen Mausklicks auf den Computer übertragen wird. Man häuft einfach viel schneller viel mehr Bilder an wodurch man irgendwann die Kontrolle und den Überblick verliert.

Sie haben natürlich vollkommen Recht, die schönsten und emotionalsten Erinnerungen sollten auf Papier "verwirklicht" (ich finde das Wort passt sehr gut zum Thema) werden.

vg,
hannes

D. Saster hat gesagt…

Hallo JHK, Hallo Hannes,
ist es hier nicht erneut die Frage, wo genau der Moment des Fotos zu verorten ist? Ist es der Moment, in dem der Fotograf auf den Auslöser drückt - natürlich erst nachdem er im Sucher die optimale Bilkomposition erzielt hat, oder ist es vielleicht doch ein Prozess, der Motivauswahl, Aufnahme und Entwicklung ebenso einschließt wie die Nachbearbeitung und die Präsentation? Ja, auch ich finde eine Präsentation auf Papier etwas bewegender als den fixen Upload auf eine Sharing-Site, aber auch das kann es manchmal sein, wenn man etwas Schönes schnell einem großen Publikum vorstellen will. Das Bild ist eben alles, der gesamte Prozess.